Es ist ein echtes Paradoxon: Eigentlich haben seit einer Gesetzesänderung 2013 deutlich mehr Menschen einen Rechtsanspruch auf die Kostenübernahme der Knochendichtemessung durch die gesetzliche Krankenkasse. Doch die Realität sieht leider anders aus: Immer mehr Ärzte bieten die Knochendichtemessung nicht mehr als Kassenleistung an. Grund: Die Leistung wird zu gering vergütet.

Stabile Knochen sind die Basis für ein aktives Leben auch jenseits der 50. Doch mehr als ein Viertel aller Deutschen über 50 Jahre leidet an Osteoporose. Das ist der medizinische Fachausdruck für Knochenschwund. Besonders Frauen jenseits der Menopause sind davon betroffen – es trifft aber auch deutlich mehr Männer als viele glauben. Die Knochen verlieren dabei allmählich ihre Festigkeit. Bereits bei alltäglicher Belastung kann es dann im Alter zu schmerzhaften Knochenbrüchen, besonders in der Hüfte und an den Wirbelkörpern, kommen. Osteoporose selbst tut nicht weh. Die Patienten merken also in der Regel nicht, dass ihre Knochen allmählich „dünner“ werden. Oft erfahren sie erst davon, wenn es bereits zu Brüchen gekommen ist.

 

Was ist eine Knochendichtemessung?

Um gesund und fit alt zu werden, sollte auch eine Knochendichtemessung zu Ihrer Anti-Aging-Vorsorge gehören. Der Dachverband der Ostelogen empfiehlt in seiner Leitlinie eine Basisdiagnostik für Männer und Frauen im Alter von 60 Jahren.

Mit einer Knochendichtemessung kann man den Mineralgehalt des Knochens bestimmen. Der Arzt kann so erkennen, wie stabil und damit bruchfest der Knochen ist und inwieweit eine Therapie auch mit speziellen Osteoporose-Medikamenten angebracht ist. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten der Knochendichtemessung. Das gängigste Verfahren ist die Osteodensitometrie mittels DXA. Das ist eine Messung mit Röntgenstrahlen. Bis Anfang 2013 mussten Patienten dieses Diagnoseverfahren in vielen Fällen als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) selbst bezahlen. Erst wenn aufgrund von fortgeschrittener Osteoporose bereits mindestens ein Knochen gebrochen war, übernahmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für diese Messung.

In welchen Fällen zahlt die Krankenkasse?

Mit Beschluss des G-BA (Gemeinsamer Bundesausschuss) am 21.02.2013 und anschließender Veröffentlichung im BAZ (Bundesanzeiger am 11.05.2013), trat eine neue Richtlinie zur Kostenübernahme der Knochendichtemessung in Kraft. Die Indikationen wurden gelockert bzw. erleichtert. Ziel war es, dass deutlich mehr Menschen in den Genuss einer kostenlosen Knochendichtemessung kommen sollten: So ist die Knochendichtemessung als Kassenleistung seither auch möglich, wenn ein begründeter Verdacht auf Osteoporose besteht und der Patient sich noch nichts gebrochen hat. Eine Kostenübernahme ist durch die Neuregelung außerdem seither auch für sogenannte Risikopatienten möglich – also Versicherte, die aufgrund bestimmter chronischer Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme ein erhöhtes Osteoporose-Risiko tragen. „Das sind zum Beispiel Menschen mit chronisch entzündlichen Darm-, Leber- und Nierenerkrankungen und Patienten, die schon über lange Zeit Medikamente wie Kortison oder auch Heparin einnehmen“, erklärt Daniela Hubloher, Medizinerin in der Patientenberatung der Verbraucherzentrale Hessen und Patientenvertreterin in der Arbeitsgruppe des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), die über die Knochendichtemessung beraten hat. „Dasselbe gilt für Patient(innen), die wegen rheumatischer Erkrankungen, im Rahmen einer Brustkrebs-Therapie oder auch aufgrund hormoneller Störungen über längere Zeit bestimmte Medikamente einnehmen mussten.“ Eine Liste mit Anhaltspunkten für die Kassenübernehme liefert zum Beispiel die Leitlinie vom Dachverband der Osteologen.

Die Kehrseite der Medaille – die Knochendichtemessung wird immer seltener kostenlos angeboten

Die Crux ist, dass der einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM), das ist die Vergütung, die der Arzt von der Krankenkasse für seine Leistung bekommt, von der Kassenärztlichen Vereinigung sehr niedrig festgelegt wurde. „Gerade mal rund 17 Euro bekommt ein Arzt aktuell von der Kasse für eine Knochendichtemessung“, weiß Ingeborg Linde, Sprecherin der Patientenvertreter in der Arbeitsgruppe des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Osteologen, Radiologen und Rheumatologen beklagen sich aber, dass diese Vergütung in keiner Weise kostendeckend sei.“ Zu einer Erhöhung der EBM ist die kassenärztliche Bundesvereinigung allerdings bislang nicht bereit. In der Folge haben viele Ärzte ihre Kassenzulassung für die Durchführung einer Knochendichtemessung abgegeben. Das heißt der Patient kann die Knochendichtemessung bei einem Arzt, der jetzt keine Kassenzulassung mehr dafür hat, auch nicht mehr auf Kassenkosten durchführen lassen. Er muss diese dann als IGel-Leistung selbst bezahlt. „Selbst Erkrankte mit Frakturen bekommen hier jetzt keine Messung auf Kassenkosten mehr“, bedauert Linde.

Weniger Leistung trotz erweitertem Rechtsanspruch

Damit hat sich die Situation für Osteoporose-Kranke seit der Neuregelung genau ins Gegenteil verkehrt. „Zwar gibt es Anzeichen dafür, dass die EBM für die Knochendichtemessung in Zukunft erhöht werden soll“, betont Linde. „Wann das aber konkret der Fall sein wird, steht noch nicht fest.“ Inwieweit die mögliche Erhöhung dann wiederum die Ärzte motiviert, die bereits zurückgegebene Kassenzulassung wieder zu neu zu beantragen, bleibt außerdem mehr als fraglich. „Wir befürchten, dass die Zahl der Ärzte mit Kassenzulassung für die Knochendichtemessung weiterhin auf einem relativ niedrigen Niveau stehen bleiben wird und viele Patienten deshalb die Untersuchung aus eigener Tasche bezahlen müssen“, bedauert Linde.

Was kann ich tun, um die Knochendichtemessung trotzdem als Kassenleistung zu bekommen?

Osteoporose-Patienten, die aufgrund der Erkrankung bereits einen Bruch erlitten haben, Risikopatienten mit bestimmten Vorerkrankungen sowie Patienten, bei denen eine Behandlungsabsicht besteht, haben grundsätzlich einen Rechtsanspruch auf die Kostenübernahme einer Knochendichtemessung durch die gesetzliche Krankenkasse. „Ich rate diesen Betroffenen deshalb, sich gezielt nach Ärzten in ihrer Nähe zu erkundigen, die noch eine entsprechende Kassenzulassung besitzen“, erklärt Linde. „Auskunft hierzu können die Kassenärztlichen Vereinigungen der jeweiligen Bundesländer geben.“

Was kann ich selbst gegen Osteoporose tun?

Bislang ist es nicht möglich Osteoporose vollständig zu heilen. Aber es gibt eine Reihe an Möglichkeiten den gestörten Knochenstoffwechsel aufzuhalten oder zumindest zu bremsen. Dazu können Sie selbst viel beitragen:

Bewegung für starke Knochen

Wer rastet, der rostet. Bewegung erhöht die Muskelkraft und fördert die Koordination. Das schützt auch vor Stürzen. Gehen Sie deshalb regelmäßig spazieren oder zum Schwimmen – auch Aqua-Fitness oder Nordic-Walking sind ideal.

Besonderer Tipp: Besonders effektiv trainieren Osteoporose-Patienten mit einem speziellen Funktionstraining für Osteoporose. Das Funktionstraining kann vom Arzt verschrieben werden und fällt nicht unter die Budgetierung. Unter geschulter Anleitung erlernen Sie hier gezielte Bewegungen, die den Erhalt der Muskulatur, der Kraft und der Beweglichkeit fördern. So verbessern sich Ihre Koordination und Ihr Gleichgewichtssinn, wodurch sich auch die Gefahr eines Sturzes und damit auch das Risiko eines Bruches vermindern lassen. Kurse werden vom Dachverband der Osteoporose Selbsthilfegruppen angeboten. Die Kosten übernehmen die Krankenkassen.

Ernährung gegen Osteoporose

Achten Sie auf einen gesunden und abwechslungsreichen Speiseplan mit Lebensmitteln, die besonders viel Calcium und Vitamin D enthalten. Die wichtigsten Calcium-Lieferanten sind magere Milch und Milchprodukte, wie Käse und Quark, aber auch grünes Gemüse. Vitamin D unterstützt die Einlagerung von Calcium in den Knochen. Es steckt vor allem in Seefisch und Eiern. Trifft Sonnenlicht auf die Haut, kann der Körper das Vitamin aber auch selbst bilden. Deshalb sollten Sie, gerade im Winter, bei sonnigem Wetter öfter mal rausgehen. Zigaretten, Alkohol und Kaffee wirken sich ungünstig auf den Knochenstoffwechsel aus. Versuchen Sie deshalb das Rauchen und den Konsum von Kaffee und Alkohol möglichst einzuschränken.

Medikamente

Inzwischen stehen auch eine Reihe an speziellen Osteoporose-Medikamenten zur Verfügung, die entweder den weiteren Knochenabbau verhindern oder auch den Knochen stärken können. Diese Mittel sind aber nicht zur Vorsorge gedacht und können mitunter massive Nebenwirkungen haben. Hier muss eine gute Risiko-Nutzen-Abwägung stattfinden, inwieweit Sie als Patient tatsächlich von dem Präparat profitieren oder, ob nicht andere Maßnahmen sinnvoller sind.