Nicht immer sind rote Flecken im Gesicht oder Pusteln harmlos. Denn auch Erkrankungen wie Diabetes mellitusRheumatoide Arthritis oder Entzündungen können für eine Veränderung der Haut sorgen.

Ist jemand blass um die Nase, so kann es sein, dass ihn erst kürzlich eine schlechte Nachricht ereilt hat. Ändert sich die Gesichtsfarbe ins Rötliche – so ist jemandem etwas peinlich. Nicht nur emotionale Dinge beeinflussen unser größtes Körperorgan: Verändert sich die Haut, so deutet dies manchmal auf eine innere Erkrankung hin. Dabei ist nicht immer ganz klar, warum sich beispielsweise eine Entzündung oder eine hormonelle Störung in der Haut manifestiert. Möglicher Grund: die Erreger einer Infektion breiten sich bis zur Haut aus. Oder Stoffwechselprozesse laufen nicht mehr korrekt ab – und der Körper lagert Stoffwechselzwischenprodukte, wie beispielsweise Fettknötchen, an der Körperoberfläche ab.

Rissige Haut bei Diabetes mellitus

Diabetes mellitus ist ein gutes Beispiel: Noch bevor die Betroffenen überhaupt wissen, dass Sie unter der Zuckerkrankheit leiden, zeigt sich eine Veränderung der Haut, diese wird nämlich rau und rissig. Sie hat eine weiche Konsistenz, ist empfindlich und verletzungsanfällig. Grund: Bei Diabetikern sind, aufgrund des veränderten Stoffwechsels, die Schweiß- und Hautdrüsen weniger aktiv. Es gibt aber noch viele weitere Beispiele, die zeigen, dass die Haut als eine Art Frühwarnsystem dient: Ist die Körperoberfläche beispielsweise häufig feucht und warm, so können dies die ersten Signale einer Schilddrüsenüberfunktion sein. Aufgrund der Fehlfunktion ist die körpereigene Warm-Kalt-Regulation gestört, und das macht sich auch an der Haut bemerkbar.

Organ-Störungen verändern das Hautbild

Bei einer Nebennierenrindeninsuffizienz, auch Morbus Addison genannt, kommt es unter anderem zu einer Veränderung der Haut durch übermäßigen Pigmentierung an Ellenbogen, Knie, Handfurchen und im Genitalbereich. Die Organ-Funktionsstörung verändert nämlich die Hormonproduktion im Körper. Die Folge: Melanozyten, also Pigmentzellen, lagern sich vermehrt in der Haut ein.

Eine Überproduktion an Blutplättchen indes kann zu punktförmigen Blutaustritten führen. Verantwortlich dafür kann eine Virusinfektion sein (z. B. HIV-Infektion, Masern). Gelbe Knötchen, die sich über den gesamten Körper verteilen, weisen auf eine Fettstoffwechselstörung (Hypertriglyzeridämie) hin. Diese ist mitunter Begleiterscheinung bei Diabetes mellitus, Gicht, Arteriosklerose oder einer Nierenfunktionsstörung.

Flecken ums Auge deuten auf Herz-Kreislauf-Erkrankung hin

Gelbe oder rötliche Flecken um die Augen – auch Xanthelasmen genannt – sind Cholesterinablagerungen. Wissenschaftler der Universität Kopenhagen fanden 2011 heraus, dass Xanthelasmen ein Hinweis auf ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko sind: Die Forscher analysierten über 10 Jahre hinweg den Gesundheitszustand von 12.745 Dänen. Menschen mit Xanthelasmen hatten ein um 48% höheres Risiko innerhalb dieser Zeit einen Herzinfarkt zu erleiden als Probanden ohne diese Hautverfärbung. Die Sterberate war in der Xanthelasemen-Gruppe zudem um 14% erhöht.

 

Rötungen bei inneren Entzündungen

Schmerzhafte Rötungen an der Außenseite des Unterschenkels sind oftmals ein Hinweis darauf, dass im Körper eine Entzündung „brodelt“. Das kann eine Mandelentzündung oder eine Entzündung der Rachenschleimhaut sein. Auch auf eine chronische Darmerkrankung deuten diese typischen Rötungen hin (z. B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa). Forscher der Universität Tunis (Tunesien) untersuchten 2011 insgesamt 195 Patienten, bei denen erst kürzlich eine chronische Darmerkrankung diagnostiziert wurde: 91% der Probanden mit Morbus Crohn und 92% der Colitis Ulcerosa Patienten zeigten die charakteristischen Hautrötungen.

Bei Gelenkentzündungen, Muskelentzündungen, einer Herz-Muskel-Entzündung haben die Betroffenen indes im Gesicht eine schmetterlingsförmige Rötung, die sich über die beide Wangen hinweg ausbreitet. Schmerzhafte, entzündlich gerötete Knötchen im Handbereich wiederum können auf eine Endokarditis hinweisen, also auf eine Entzündung der Herzinnenwand. In dem Fall haben sich die Bakterien vom Herzen aus bis in die Haut ausgebreitet. Die Hautveränderungen werden Osler-Knötchen genannt.

Hautknötchen bei Rheuma

Knötchen an der Handoberfläche, die so groß wie eine Pflaume werden können, heißen Rheumaknoten. Sie weisen in 90% der Fälle darauf hin, dass eine Rheumatoide Arthritis vorliegt. Warum Rheumaknoten entstehen, ist noch nicht ganz geklärt. Wahrscheinlich sind es „Reste“ von Gefäßen, die von dem fehlgeleiteten Immunsystem beschädigt oder zerstört wurden. Übrigens können selbst Hautfältchen ein Alarmsignal sein: Wissenschaftler der Yale Universität (New Haven, Conneticut, USA) untersuchen 2011 insgesamt 114 Frauen im Alter zwischen Ende 40 und Anfang 50: Je faltiger die Gesichtshaut, desto weniger stabil waren die Knochen. Selbst Osteoporose macht sich also „von außen“ sichtbar.

Haare verändern sich bei Schilddrüsenfehlfunktion

Übrigens: Auch Veränderungen der Haare können auf eine innere Erkrankung hindeuten: Trockenes, sprödes, dünner werdendes Haar kann das Alarmsignal einer Schilddrüsenunterfunktion oder –überfunktion sein. Glanzloses Haar entsteht bei Arbeitsüberlastung, Vitaminmangel oder als medikamentöse Nebenwirkung. Ein sehr schnelles Ergrauen der Haare oder büschelweise Haarausfall ist mitunter die Folge von Stress oder psychischem Druck.

Das sind nur einige Beispiele, die zeigen, was sich hinter Veränderungen von Haut und Haaren verbergen kann. Selbstverständlich bedeutet trockene Haut, ein paar Pusteln oder eine Rötung nicht gleich, dass man schwer erkrankt ist. Dennoch gilt: Die Haut als „Krankheits-Display“ ernst nehmen.