Die Frage stellt sich schon lange: Hauptsache Sport – egal was oder gibt es tatsächlich Unterschiede zwischen Krafttraining und Ausdauertraining in Bezug auf die verjüngende Wirkung? Wissenschaftler der Universität des Saarlandes wollten es genau wissen und haben dies in einer Studie untersucht. Kraft oder Ausdauer: Womit bleiben Sie länger jung und halten den Alterungsprozess effektiv auf?

Deutliche Unterschiede des Trainings auf die verjüngenden Effekte

Das klare Ergebnis erstaunte die Wissenschaftler. „Joggen und Intervalltraining sind dem Krafttraining anscheinend deutlich überlegen“, so der Kardiologe Dr. Christian Werner (Universität des Saarlandes) – zumindest in Bezug auf die Alterungsprozesse, denn ihre körperliche Fitness verbesserten alle Teilnehmer.

 

In der Studie absolvierten 89 untrainierte Teilnehmer im Alter von 30 bis 60 Jahren sechs Monate lang dreimal pro Woche für 45 Minuten ein Training. Sie wurden in 3 Gruppen aufgeteilt und haben entweder Intervalltraining oder Ausdauertraining oder Krafttraining gemacht. Eine untrainierte Kontrollgruppe ohne Sportprogramm diente als Vergleich.

Das Enzym Telomerase lässt uns langsamer altern

Das Alter ist einer der Hauptrisikofaktoren für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes. Doch woran liegt das? Eine Schlüsselrolle bei der Alterung spielt das Enzym Telomerase. An den Enden unserer Erbinformation, den Chromosomen, befinden sich sogenannte Telomere. Diese sitzen als Schutzkappen vor und hinter der eigentlichen Erbinformation und verhindern ihren Abbau. Jede Zellteilung und zahlreiche Proteine knabbern aber zeitlebens an diesen schützenden Telomeren. Haben die Telomere eine gewisse Kürze erreicht, teilt sich die Zelle nicht mehr und stirbt schließlich. Das Enzym Telomerase wirkt dem entgegen, indem es die schützenden Enden immer wieder aufbaut – je aktiver also die Telomerase arbeitet, desto „jünger“ ist die Zelle und kann sich weiterhin teilen – der Alterungsprozess verzögert sich und wird bestenfalls sogar aufgehalten. Für diese Erkenntis erhielten drei amerikanische Wissenschaftler sogar den Nobelpreis.

Ausdauertraining erhöht die Aktivität der Telomerase am effektivsten

In ihrer Studie haben die Wissenschaftler das Enzym Telomerase und andere schützende Eiweißmoleküle untersucht. Die gute Nachricht: in allen Trainingsgruppen war die Aktivität der Telomerase höher im Vergleich zur Kontrollgruppe, die gar keinen Sport machte – am höchsten war die Aktivität jedoch in der Gruppe mit Ausdauertraining. Diese Gruppe trainierte jeweils 45 Minuten im aeroben Bereich mit 60% Reserve der Herzfrequenz. Das Intervalltraining bestand aus Phasen mit vierminütiger hoher Belastung (schnelles Laufen, bei 80-90% Reserve der Herzfrequenz) und dreiminütigen Erholungsphasen (langsames Laufen bei 65-70% Reserve), beim Krafttraining absolvierten die Teilnehmer ein Zirkeltraining an Geräten.

 

Für Ihre Studien erhielten Dr. Werner und sein Forscherteam den von der Deutschen Herzstiftung vergebenenWilhelm P. Winterstein-Preis.

Fazit der Untersuchung

Mit der Telomerase gibt es einen Biomarker, der es erlaubt, individuelle Trainingsempfehlungen für gesunde und auch Herzpatienten zu geben.

Wer gesund ist, kann sich durch regelmäßiges Ausdauertraining effektiv vor Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und anderen Erkrankungen des Alters schützen.

Krafttraining ist ein sinnvolles Training, um gezielt Muskeln aufzubauen. Wer aber auf verjüngende Effekte hofft und gesund bleiben möchte, sollte in erster Linie seine Ausdauer trainieren und Krafttraining als Ergänzung betrachten. Kraft oder Ausdauer ist also eine individuelle Frage.