Zucker: nicht mehr verboten

Haushaltszucker, chemisch Saccharose, war Jahrzehnte lang für Diabetiker streng verboten. Die Begründung dafür: Im Tierversuch wurde ein starker Anstieg des Blutzuckerspiegels nach dem Verzehr von Saccharose beobachtet. Dies wurde lange Zeit nicht hinterfragt. Auch als neue Erkenntnisse das Zuckerverbot in Frage stellten, hielten viele Experten daran fest, weil sie befürchteten, dass sonst alle Ernährungsregeln für Diabetiker missachtet werden würden.

Heutzutage geht man davon aus, dass das strikte Zuckerverbot zu einem erhöhten Konsum von Eiweiß und ungesunden Fetten führt – und das ist bei Diabetes besonders negativ. Daher ist Saccharose für Diabetiker nicht mehr verboten. Sie soll allerdings nur maximal 10 Prozent der gesamten Kalorienzufuhr ausmachen. Außerdem sollte der Zucker in Lebensmitteln gebunden sein, aus denen er nur langsam freigesetzt wird.

Dann, so zeigen Untersuchungen, führt Saccharose nicht zu einem heftigen Ausschlag des Blutzuckers. Zuckeraustauschstoffe, wie man sie in “Diabetiker-Süßwaren” findet, verursachen einen nur unwesentlich geringeren Anstieg des Blutzuckerspiegels. Für Getränke mit einem hohen Zuckeranteil gilt jedoch weiterhin, dass sie nur bei Unterzuckerung erlaubt sind.

 

 

BE und glykämischer Index

Die Broteinheit (BE) wurde eingeführt, um verschiedene Nahrungsmittel vergleichbar zu machen. Nach der ursprünglichen Definition entspricht 1 BE einer dünnen Scheibe Schwarzbrot (30 g). Berücksichtigt werden dabei nur diejenigen Kohlenhydrate, die sich auf den Blutzucker auswirken.  1 BE entspricht 12 g blutzuckerwirksamer Kohlenhydrate. Welche Mengen bestimmter Lebensmittel wie viele BE haben, findet man in so genannten Kohlenhydrat-Austauschtabellen. Wer eine ältere Tabelle hat, sollte im Buchhandel nach neueren Ausgaben sehen, da die Werte immer wieder aktualisiert werden.

Grundlegend verändert hat sich die Bedeutung der BE: Früher war es so, dass Diabetiker eine bestimmte Zahl BE am Tag essen mussten – nicht mehr und nicht weniger. Heutzutage passt sich die Therapie dem Essen an: Die BE sagen jetzt nicht mehr, wie viel man noch essen darf bzw. muss, sondern wie viel Medikamente bzw. Insulin man nehmen muss, um die Kohlenhydrate zu verarbeiten. Der glykämische Index (GI) soll beschreiben, wie stark die Kohlenhydrate der einzelnen Lebensmittel auf den Blutzucker wirken, z.B. Zucker stärker als Nudeln. Er ist in den Austauschtabellen bereits berücksichtigt, sodass er vom Diabetiker keine zusätzliche Rechenarbeit verlangt.

Fette: oft das eigentliche Problem

Experten messen heute den Fetten und Eiweißen in der Ernährung von Diabetikern einen größeren Stellenwert zu. So liefern Fette viel mehr Kalorien als Kohlenhydrate und sind daher wesentlich stärker für eventuelles Übergewicht verantwortlich. Fette haben für Diabetiker eine zwiespältige Bedeutung: Kurzfristig kann ein hoher Fettanteil in der Nahrung helfen, den Blutzuckerspiegel besser zu kontrollieren. So wirkt sich etwa (normale) Schokolade – obwohl sie viel Zucker enthält – nicht sehr stark auf den Blutzucker aus, weil sie gleichzeitig einen hohen Fettanteil hat.

Langfristig jedoch fördern Fette Übergewicht, und dies wiederum begünstigt die Entstehung bzw. Verfestigung von Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes – samt den möglichen Folgeschäden für Gefäße, Herz und Kreislauf. Diabetiker sollen daher, wie Gesunde auch, höchstens 30 Prozent ihrer täglichen Kalorien in Form von Fett aufnehmen. Wie bei den Fetten, so ist in unseren Breiten auch die Aufnahme von Eiweißen (Proteinen) zu hoch, was sich besonders für Diabetiker schädlich auswirken kann. Eine tägliche Zufuhr von mehr als 1,5 g Eiweiß pro kg Körpergewicht begünstigt die Entstehung von Nierenschäden. Fazit: Das ist gesunde Diabetikerkost

In den “Ernährungsempfehlungen für Diabetiker “, verabschiedet vom Vorstand der Deutschen Diabetes-Gesellschaft, heißt es:

“Es ist zu betonen, dass die Ernährungsempfehlungen für Menschen mit Diabetes denen sehr ähnlich sind, die auch der Allgemeinbevölkerung zur Erhaltung der Gesundheit empfohlen werden. Deshalb sollte sich die Nahrung für Diabetiker nicht wesentlich von der unterscheiden, die für die ganze Familie empfehlenswert ist.” Eine Ernährungsberatung sollte die gesamte Familie mit einbeziehen und für alle Familienmitglieder einen Nutzen haben. Kohlenhydrate sollten 45 bis 60 Prozent der gesamten Kalorienzufuhr ausmachen, darunter höchstens 10 Prozent Haushaltszucker. Fette sollten 25 bis 35 Prozent der Kalorienzufuhr darstellen und Eiweiße 10 bis 20 Prozent.

Eventuelles Übergewicht ist durch eine langfristig angelegte Diät zu senken. Außerdem sollen auch Diabetiker täglich mindestens fünf Portionen Obst oder Gemüse (auch als Saft) zu sich nehmen. Kochsalz (vor allem bei Bluthochdruck) und Alkohol sind zu reduzieren. Alkohol erhöht u.a. die Gefahr von Unterzuckerungszuständen und begünstigt Übergewicht. Spezielle Diabetiker-Lebensmittel (vorwiegend Süßwaren, die mit Zuckeraustauschstoffen gesüßt sind) werden eher negativ bewertet, da sie keinen nennenswerten Nutzen haben und häufig viele versteckte Fette enthalten. Sinnvoll können dagegen kalorienfreie Süßstoffe in Getränken sein.

Vitamine und Co.

Ein erhöhter Blutzuckerspiegel wirkt sich u.a. negativ auf die Blutgefäße aus. Die Medizin spricht davon, dass er den oxidativen Stress durch freie Radikale erhöht. Daher sollten vor allem Diabetiker in ihrer Ernährung darauf achten, dass sie dem entgegenwirken. Schützende Stoffe, so genannte Antioxidanzien, sind Vitamine C, Vitamin E sowie Carotinoide und die Spurenelemente Zink und Selen.

Es zeigt sich, dass Diabetiker häufig einen verringerten Vitamin-C-Spiegel im Blut haben. Zudem beeinträchtigt ein erhöhter Blutzuckerspiegel auch den Transport von Vitamin C in die Zellen, was sich negativ auf die Wundheilung und die Immunabwehr auswirken kann. Daher empfehlen manche Studien eine Zufuhr von 500 mg Vitamin C pro Tag über geeignete Präparate aus der Apotheke. Ein Mangel an dem Spurenelement Zink kann, insbesondere bei Typ-2-Diabetes, die Wirksamkeit des Insulins verschlechtern. Außerdem schützt auch Zink die Zellen und Gefäße vor oxidativem Stress.

 

Ein Zinkmangel kann durch geeignete Produkte aus der Apotheke behoben werden. Besonders wirksam sind Präparate, in denen Zink an die körpereigene Aminosäure Histidin gebunden ist.